Von Teufelswalzern und allerlei Grillen
Das junge Sélean Trio begeisterte mit einem tollen Programm für zwei Posaunen und Klavier
Eigentlich hätten das Sélean Trio schon im Februar spielen sollen bei den Klassischen Konzerten, der Abend hatte aber zunächst noch einmal verschoben werden müssen. Aufgeschoben ist aber zum Glück nicht aufgehoben, und so konnten die Mosbacher Klassikfreunde die Posaunisten Ann-Catherina Strehmel und Leonard Kutsch und die Pianistin Jung Eun Séverine Kim in dieser Woche als Trio in absoluter Bestform erleben. Es ist eine ungewöhnliche Kammermusik-Besetzung, in der die drei sich zusammengetan haben: Klavier, Tenor- und Bassposaune. Das bedeutet, dass das Trio sich auch in anderen Genres umschauen und ihre Musik selbst arrangieren oder nach bestehenden Arrangements suchen muss. Was dabei entsteht, ist ein charmanter Stilmix aus fünf Jahrhunderten von der Renaissance bis zum 21. Jahrhundert, mit dem sie die Posaune energisch aus der Ecke „schweres Blech“ im Orchester befreien und als Soloinstrument ins Rampenlicht rücken.
In der Konzerteinführung standen natürlich die beiden Blasinstrumente im Mittelpunkt, zu denen die beiden Solisten allerlei Fragen aus dem Publikum beantworteten und auch einige besondere Spieltechniken demonstrierten. Als Eröffnungsstück hatte das Trio das Duett „Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten“ aus der Bachkantate BWV 78 ausgewählt, das normalerweise von einer Sopran- und einer Altstimme ausgeführt wird. Die emsigen Schritte sind dabei in allen Stimmen zu hören: Da flitzten die Züge der Posaunen und auch Séverine Kim am Flügel ließ ihre Finger und die Tasten tanzen. Im Gegensatz zum „normalen“ Klaviertrio (mit Violine und Cello als Partner) musste sie sich dynamisch keineswegs zurückhalten, war vielleicht sogar zuweilen fast ein wenig zu leise. Bei der Sonate „Vox Gabrieli“ des kroatischen Komponisten Stjepan Šulek (1914-1986) konnte man dann die hohe Posaune als Stimme des Erzengels Gabriel in Aktion erleben: Beeindruckend, wie es Ann-Catherina Strehmel gelang, ihrem Klang gleichzeitig eine beachtliche Energie und geschmeidige Transparenz zu verleihen.
Auch beim folgenden Stück handelte es sich um ein Originalwerk: Der Schweizer Komponist Daniel Schnyder (*1961) sei einer seiner persönlichen Lieblinge, bekannte Leonard Kutsch in seiner Moderation, ein echter Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz. Die jazzigen Untertöne sind in seinem „Kislev“ für Bassposaune solo deutlich hörbar, eine Art Walking Bass zieht sich durch Teile der komplexen Komposition, bei der der junge Posaunist eine überaus differenzierte Ansatz-Technik offenbarte und zuweilen mit seinem Instrument zu sprechen schien. Dass die Bassposaune in bassige Tiefen hinabgelangt, die sonst der Tuba vorbehalten sind, konnte man im zweiten Teil des Abends eindrucksvoll erleben beim Tubakonzert von Alexej Lebedjew (1924-1993), bei dem Kutsch das tiefe Register auslotete, engagiert begleitet von Séverine Kim am Flügel. Die Pianistin hatte ebenfalls ein paar Stücke für Klavier solo mitgebracht und verzauberte ihre Zuhörer mit vier Sätzen aus Robert Schumanns „Fantasiestücken“ op. 12, romantisches Kontrastprogramm zu den überwiegend zeitgenössischen Werken für Posaune, unter denen sich auch Ausflüge in frühere Jahrhunderte fanden, wie die „Sonata nona“ von Biagio Marini (1594-1663).
Eines der witzigsten und spektakulärsten Stücke aber war definitiv der rasante „Devil’s Waltz“ für 2 Posaunen von dem Niederländer Steven Verhelst (*1981), der im Publikum hörbare Begeisterung auslöste. Mit vielen kurzen Stücken, darunter zwei entzückenden Miniaturen aus den „Fünf Stücken“ op. 36 von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975), war das Programm attraktiv und kurzweilig zusammengestellt. Mit dem getragenen „A Christian Song“ des Norwegers Jan Sandström (*1954) ließ das Sélean Trio sein Programm sanft ausklingen. Da passte dann eine gut gelaunte Zugabe wie das jazzige „Puttin’ on the Ritz“ von Irving Berlin perfekt, mit denen sich die drei sympathischen jungen Musiker schließlich verabschiedeten. Das Konzert wurde übrigens von SWR aufgezeichnet und wird am Mittwoch 22. April um 13 Uhr im Mittagskonzert von SWR Kultur gesendet.
Text + Bild: Pia Geimer