Das „Ensemble Interchange“ begeisterte mit hinreißender Spielfreude bei den Klassischen Konzerten
Ihr Name „Interchange“ bedeutet „Austausch“ und das ist auch Programm bei dem sympathischen jungen Ensemble, das am Freitagabend im Rahmen der Mosbacher Klassischen Konzerte zu hören war. Nicht nur, dass die Besetzung des Quintetts ganz international ist, die Musiker bewegen sich außerdem virtuos zwischen den Genres. Mit Blockflöten und Gesang, Viola da Gamba, Laute und Cembalo scheinen sie prädestiniert zu sein für die „alte“ Musik, aber sie sind auch sehr aktiv in der zeitgenössischen Szene unterwegs und begnügen sich nicht damit, einfach attraktive Stücke aneinander zu reihen, sondern stellen mit ihrer erfrischenden Moderation immer auch einen künstlerischen Kontext zur Musik der jeweiligen Zeit her. Bei ihrem Programm „A Lover’s Tale“ hatten sie Lieder und Instrumentalstücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit Zitaten und Ausschnitten aus Shakespeare-Sonetten kombiniert.
„Die Liebe ist zu groß für nur eine einzige Geschichte“, sind sie überzeugt. Und deshalb erzählen sie bei diesem Programm viele musikalische Geschichten voller Leidenschaft, Licht und Schatten und allen anderen Aspekten der Liebe. Leider hatte das Ensemble an diesem Abend ohne seinen erkrankten Lautenisten anreisen müssen. Aber die vier machten auch als Quartett eine tolle Figur und mussten nur ein einziges Solostück ausfallen lassen. Der Cembalist Thung-Han Hu konnte die Aufgabe der Laute weitgehend vom Cembalo aus mit übernehmen. Anstelle des Barockcellos war diesmal Gambist Thomas Fields mit am Start, der mit seiner siebensaitigen Viola da Gamba ein sensibles Fundament zum virtuosen Blockflötenspiel von Friederike Vollert und Matija Chlupacek beisteuerte. Die beiden Flötisten verfügen außerdem über tolle Gesangsstimmen, die sie bei einigen Stücken gekonnt einsetzen. Diese kreative Spiel- und Experimentierfreude ist das Markenzeichen des Ensembles „Interchange“ und bietet den Zuhörern eine ungewöhnlich innige Begegnung mit der Musik aus vergangenen Jahrhunderten.
Die Musiker starteten mit Claudio Monteverdi und seinem munter dahinsprudelnden Duett „Zefiro torna“: Das war hier einmal in einer instrumentalen Version zu hören, mit zwei Blockflöten anstelle der beiden eigentlich vorgesehenen Sopranstimmen. Matija Chlupacek und Friederike Vollert teilten sich die Moderation – mal spritzig-humorvoll, mal poetisch - und erwiesen sich nicht nur als herausragende Flötisten, sondern auch als ausgesprochen charmante Botschafter ihrer Musik. Die Ohren spitzen mussten man natürlich, um die feinen Töne vor allem von Cembalo und Gambe zu erhaschen, aber das Publikum im großen Saal der Mälzerei lauschte fasziniert und mäuschenstill. Und der riesige Applaus am Schluss, in den sich auch vernehmliche Ausrufe echter Begeisterung mischten, zeigte die große Wertschätzung der Zuhörer für die erfrischende und lebendige Art der Musikvermittlung bei diesem tollen Ensemble.
Diesmal waren sogar erfreulich viele junge Zuhörer da, mehr als bei anderen Kammermusik-Abenden. Das zeigt, dass die Alte Musik bei einem der vier Klassischen Konzerte im Jahr gut ankommt und dass auch Gesang kein „no go“ sein muss. Das „Ensemble Interchange“ lässt sich auf jeden Fall etwas einfallen bei seinen Programmen: Madrigale und Lieder, ob gesungen oder instrumental, wechselten mit barocken Hits wie der spritzigen „Folia“ von A. Falconieri oder einer Purcell’schen „Chacony“, bei der Freude und Melancholie immer nur ein paar Takte voneinander entfernt liegen. Immer wieder neue Flöten von Tenor bis Sopran kamen zum Einsatz, und auch Gambist Thomas Fields hatte ein wunderschönes Solo in „Bist du bei mir“ aus dem „Notenbüchlein für Anna-Magdalena“. Oder der Cembalist Thung-Han Hu bei seiner „Follia“ für Cembalo. Mit Bach beendeten die vier Musiker ihr Programm, ließen sich danach aber gerne noch zu zwei Zugaben überreden und verabschiedeten sich mit einem humorvollen Augenzwinkern bei John Dowlands „Come again“.
Von Pia Geimer



