Mosbacher Klassische Konzerte
Keine Angst vor Neuer Musik bei den Klassischen Konzerten

sonARTrio

Das junge SonARTrio sorgte für begeisternde Premiere im ver.di Bildungszentrum

Zeitgenössische Musik zum Schwelgen – geht denn das? So mag sich der eine oder andere Konzertbesucher anfangs noch gefragt haben, aber bereits mit dem ersten Stück hatten die drei jungen Herren des „SonARTrio“ ihre knapp 100 Zuhörer definitiv erobert. Ein Programm komplett aus Werken noch lebender Komponisten zu bauen ist vielleicht mutig, aber Simon Kluth (Violine), Till Marek Mannes (Bajan) und Benedikt Brodbeck (Violoncello) haben sich mit ihrem ensemble ganz der Neuen Musik verschrieben. Und das tun sie mit spürbarer Ent-deckerfreude und großem instrumentalistischem Einfallsreichtum. Locker plaudernd führen sie abwechselnd selbst durch ihre Programme und lassen ihr Publikum ein wenig teilhaben an jenem kreativen Schöpfungsprozess, den sie selbst beim Erarbeiten dieser Musik durchlaufen haben.

Normalerweise finden die vier Abende der Reihe „Mosbacher Klassische Konzerte“ jeweils in der Mälzerei statt. In diesem Jahr hatte die Konzertgemeinde als Veranstalter für das Zusatz-konzert mit „SonARTrio“ bewusst einen kleineren Saal gesucht und war im Bildungszentrum ver.di auf dem Bergfeld sowohl auf einen passenden Raum als auch auf die Bereitschaft zur  Zusammenarbeit gestoßen. Ein guter Griff, denn die extrem leisen und differenzierten Klang-farben dieses Ensembles hätten in der weiträumigen Mälzerei nur allzu leicht verloren gehen können. So aber kamen jeder noch so zarte Ton und dank eines kleinen Podestes auch der optische Eindruck ungehindert an, auch wenn man hochkonzentriert zuhören musste.

Ein Bajan ist ein russisches Knopfakkordeon, das wegen seines großen Tonumfangs und sei-ner interessanten Spielmöglichkeiten vor allem als Konzertinstrument eingesetzt wird. Till Marek Mannes entlockte seinem Bajan faszinierende Klänge, vom kaum wahrnehmbaren ho-hen Fiepen bis zum bedrohlich anschwellenden Cluster im tiefsten Bassregister, vom vibrie-renden Beben bis zu knarrenden, fast perkussiven Elementen. Gelegentlich setzte er mit im-posantem Effekt nur das Balggeräusch ein, das beruhigend wie ein lebendiger Atem, aber auch – wie in dem faszinierendem Werk „Silenzio“ auf verstörende Weise wie das Schnauben eines zürnenden Gottes klingen konnte.

Auch die beiden Streicher Simon Kluth und Benedikt Brodbeck zeigten eine klangliche Bandbreite, die weit über die im klassischen Repertoire eingesetzten Techniken hinaus ging. Zeitgenössische Komponisten arbeiten vielfach mit Verfremdungen und besonderen Spiel-techniken, bei denen nicht nur die Bogenhaare, sondern auch die hölzernen und beinernen Teile des Bogens zur Klangerzeugung benutzt werden. All dies konnte man hier in Perfektion bewundern: Cello und Geige sangen, wisperten, flöteten, hauchten, ja schwiegen sogar auf äußerst beredte Weise, denn in den oft sehr ruhigen Stücken dieser musikalischen „Reise in die Spiritualiät“ können Pausen genauso bedeutsam sein wie die Töne.

„Weit draußen“ von Alfred Koerppen (*1926), Wolfgang Rihms (*1952) „Am Horizont“, in geheimnisvollem Halbdunkel musiziert, gefolgt von dem schon genannten „Silenzio“ von Sofia Gubaidulina (*1931), der der japanische Komponist Yuji Takahashi (*1938) mit seiner Vertonung eines Gedichtes von Marina Tsvetaeva ein anrührendes Stück widmete. Stark auch das auf vier Madrigalen von Francesco Landini basierende „madria. Ommagio a F. Landini“ von Johannes Schöllhorn (*1962) oder „Versunkene Flamme“ von Zbigniew Bargielski (*1937). Eigentlich würde diesen Kompositionen ein ausführlicherer Bericht gebühren, aber als Fazit sei hier vor allem festgehalten: Keine Angst vor zeitgenössischer Musik und wenn das junge spritzige „SonARTrio“, welches sich mit einem kunstvollen Tango von Astor Piazzolla als Zugabe verabschiedete, wieder irgendwo spielt – unbedingt hingehen!

 

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