Mosbacher Klassische Konzerte
Junge Botschafter der Musik zu Gast in Mosbach

Das Landesjugendorchester wurde bei den Klassischen Konzerten begeistert gefeiert

Das Landesjugendorchester wurde bei den Klassischen Konzerten begeistert gefeiert

Orchester von hohem Rang gab es schon früher zu hören in Mosbach, aber zu welch großartigen Leistungen auch schon die Nachwuchstalente fähig sein können, durften die Zuhörer am Freitagabend beim Landesjugendorchester Baden-Württemberg (kurz LJO) erleben, das im Rahmen der Klassischen Konzerte erstmals in der Alten Mälzerei zu Gast war. Unter der Leitung seines Dirigenten Joseph Bastian lieferten die etwa 70 jungen Musiker, die alle erst zwischen 13 und 19 Jahren alt sind, eine beeindruckend reife Vorstellung ab. Wer im LJO mitspielt, hat zumeist bereits beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ reussiert und/oder ein Probespiel bestehen müssen.

In jedem Fall ist es eine Auszeichnung, zu den Arbeitsphasen eingeladen zu werden und eine Chance, auf nahezu professionellem Niveau anspruchsvolle sinfonische Musik zu spielen. Eigentlich ist es sogar besser als in manch einem abgeklärten erwachsenen Profiorchester: Fröhlicher und hingebungsvoller geht es zur Sache beim LJO, wo alle sozusagen durchgehend auf der Stuhlkante sitzen und 100% Einsatz geben - und sich am Ende des Konzertes freundschaftlich in den Armen liegen. Geheimnisvoll begann die Einleitung der „Leonoren-Ouvertüre“ von Ludwig van Beethoven – kühl, senza vibrato gespielt, beinahe fahl – bis dann die Streicher mit dem zupackenden Allegro starten, in dem sich ein aufschäumender Siegeswille musikalisch Bahn bricht. Der aus der Schweiz stammende Maestro Joseph Bastian, der selbst einer jungen Garde bereits international renommierter Dirigenten angehört, hatte mit seinem eleganten, schlüssigen Dirigierstil keine Mühe, seine Orchestermusiker auf eine einheitliche Gestaltung einzuschwören und ein Zusammenspiel von hoher Präzision zu erreichen.

Der Komponist Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) gehörte der deutschen Avantgarde an, vermied aber den kompletten Bruch mit der Tradition, wie das viele seiner Zeitgenossen getan hatten. So ist sein Konzert für Oboe und kleines Orchester eine Hommage an Igor Strawinsky: Eckig, fast ruppig klingt der 1. Satz, präzise begleitetet vom Orchester, das hier mit allen Streichern, aber mit der original kleinen Bläserbesetzung spielte. Die Solistin Céline Moinet verzauberte mit einem aufregenden, intensiven Oboenklang, der mühelos bis in den letzten Winkel strahlte. Im Mittelsatz breiteten die Streicher ihr einen zarten, durch das „sul ponticello“-Spiel mystisch wirkenden Klangteppich aus, über dem die Solo-Oboe mit einer atemberaubenden Cantilene schwebte. Der Finalsatz ist ein sich mehr und mehr auflösendes Fugato, das gekrönt wurde von einer großen Kadenz der Oboe. Nach diesem für manche Zuhörer vielleicht etwas schwieriger zu erfassenden Werk spielte Céline Moinet - wie zur Versöhnung - als Zugabe noch den hinreißenden langsamen Satz aus dem barocken Obenkonzert von Alessandro Marcello, mit dem es dann auch in die Pause ging.

Danach wartete mit der Sinfonie Nr. 2 in D-Dur von Johannes Brahms (1833-1897) der dickste Brocken auf das junge Orchester. Besonders für die Bläser, allen voran 1. Oboe, 1. Horn, 1. Flöte und Fagott gibt es darin unglaubliche Stellen und viel Platz zum solistischen Glänzen. Und das ließen sich die ehrgeizigen Nachwuchsmusiker nicht entgehen und lösten ihre anspruchsvolle Aufgabe großartig! Die Zweite ist die wohl heiterste unter Brahms’ Sinfonien. Häufig sind auch die Streicherstimmen geteilt, vor allem die Celli durften gelegentlich satt in romantischen Melismen schwelgen, aber auch die Bratschen und Geigen hatten sensationelle Stellen, bei denen den Musikern die Freude daran anzumerken war. Die Kontrabässe und 1. Violinen waren durchweg sehr präsent im Klang, die Mittelstimmen hätten in der Akustik der Mälzerei dynamisch zuweilen sogar noch etwas mehr aus sich heraus gehen dürfen. Klar, dass nach dem bravourös absolvierten heißen Ritt des Finalsatzes auch die Zugabe fetzig sein musste. Und so rundete das LJO den Abend überaus schwungvoll mit einem nicht ganz so bekannten „Ungarischen Tanz“ von Brahms als Zugabe ab.

 

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