Mosbacher Klassische Konzerte
Mit vier Saxofonen direkt in den Quartett-Olymp

Das Ebonit Saxophon Quartett

Das Ebonit Saxophon Quartett zeigte faszinierende Klangkultur und perfekten Ensemblegeist

Unwillkürlich verbindet man das Saxofon meist automatisch mit Jazz, aber das muss gar nicht immer sein. Die vier jungen Musiker*innen von Ebonit Saxophon Quartett machen es vor, wie edel-samtig und geschmeidig das metallische Instrument mit dem Rohrblattmundstück auch klingen kann. Mit ihrem Auftritt bei den Mosbacher Klassi-schen Konzerten adelten sie das Saxofon endgültig als vollwertiges Mitglied der klassi-schen Holzblasinstrumentenfamilie und entwickelten eine faszinierende Klangkultur, die auch den skeptischsten Jazzverweigerer überzeugt und dem Instrument einige neue Anhänger beschert haben dürfte.

Das Instrument wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Belgier Adolphe Sax er-funden und zum Patent angemeldet. Er wollte ein tiefes, wohlklingendes Holzblasin-strument für die Militärmusik schaffen und ersann ein Zwitterwesen mit einem klari-nettenähnlichen Mundstück (aus dem Hartkautschuk Ebonit) und einem Korpus aus Messingblech, das man auch in verschiedenen Größen vom Sopranino bis zum Kontra-bass bauen konnte. Während im Sinfonieorchester das Saxofon ein Exot mit wenigen solistischen Einsätzen blieb, stürzten sich die Jazzmusiker mit Begeisterung auf den röhrenden Klang, der seither aufs innigste mit Swing, Soul, Blues und Rock verschmol-zen scheint. Am Konservatorium in Amsterdam, wo das junge Ebonit Saxophon Quar-tett vor sieben Jahren gegründet wurde, geht man jedoch einen anderen Weg: Die Stu-dierenden können sich dort auch für eine komplett klassische Ausbildung am Saxofon entscheiden und was dabei herauskommen kann, ist tatsächlich spektakulär.

Alberto Tárraga Alcaňiz (Spanien) am Sopran, Dineke Nauta (Niederlande) am Alt, Andreas Mader (Österreich) am Tenor und Paulina Kulesza (Polen) am Baritonsax ha-ben während ihres Studiums zu einem Ensemble zusammengefunden, das sich mit seinem edlen Klang und seiner immensen kammermusikalischen Qualität bereits in den Olymp der ganz Großen gespielt hat. In ihren Konzertprogrammen und auch CD-Einspielungen widmen sich die vier immer wieder Werken aus dem Streichquartett-Repertoire, so auch bei diesem Konzert mit dem berühmten „Amerikanischen“ Quartett op. 96 von Antonìn Dvořák. In der ersten Hälfte erklangen jedoch zunächst einmal drei im Mutterland des Saxofons Frankreich entstandene Originalwerke: das ausgelassen-fröhlichen „Petit quator“ von Jean Français (1912-1997), das ernsthafte Quartett op. 109 von Alexander Glasunow (1865-1936) mit seinen choralartigen Einschüben und das 1966 komponierte und leicht impressionistisch anmutende „Grave et Presto“ von Jean Rivier (1896-1987). Im Vergleich zu einem Streichquartett können vier Saxofone mit einer größeren Dynamik punkten: Die leisesten Töne scheinen förmlich aus dem Nichts zu kommen und im Forte schaffen sie eine beachtliche Klangfülle, die die von Streichern weit hinter sich lässt. Dazu kommt eine Knackigkeit im Ansatz, die vor allem bei schnellen, rhythmischen Passagen für unglaubliche Beweglichkeit sorgt. Im Ver-gleich zum klassischen Bläserquintett mit Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott er-reicht das Saxofonquartett zwar nicht ganz dessen kristalline Transparenz, dafür aber eine wunderschöne Klangverschmelzung. Es ist tatsächlich eine ungewohnte Erfah-rung, wenn man ein Sopransax spielen sieht und zuweilen eine Querflöte zu hören vermeint, oder ein Baritonsax, das weich und sonor klingt wie ein Horn, ein Tenorsax, das singt anstatt zu röhren und ein Altsax, das sich geschmeidig mal als Mittelstimme, mal als führende Stimme im Soloduett einfügt wie in dem unglaublichen 2. Satz des „Amerikanischen“. Das war großartig musiziert, höchst intensiv und spannend anzuhö-ren - und anzusehen. Nach dem rasant gespielten Finalsatz warteten die vier vom Ebo-nit Quartett dann noch mit einer ebenso flott gespielten Zugabe auf, dem „Rigaudon“ aus Griegs Holberg Suite, mit dem sie diesen ungewöhnlichen Quartettabend in der Mälzerei schließlich ausklingen ließen.

 

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