Mosbacher Klassische Konzerte
Ein Klang voller Eleganz und kammermusikalischer Frische

Das Württembergische Kammerorchester

Das Württembergische Kammerorchester begeisterte bei den Klassischen Konzerten mit differenzierter Klangkultur

Kein Zweifel, das Württembergische Kammerorchester Heilbronn (WKO) ist zu Recht einer der international erfolgreichen Klangkörper, der schon auf vielen großen Bühnen weltweit aufgetreten ist. Dass die viel beschäftigten kulturellen Botschafter aber auch in einer nicht ganz so bedeutenden Kulturmetropole zu hören sein können, wurde ermöglicht durch Sponsoren wie die Firma mpdv, die sich im Mosbacher Kulturleben aktiv engagiert. Am Dienstagabend war das WKO nach vier Jahren wieder einmal im großen Orchesterkonzert bei den „Klassischen Konzerten“ in der Alten Mälzerei zu Gast und zeigte sein faszinierendes Können mit einem wunderbaren Programm bestehend aus Joseph Haydns Sinfonie Nr. 82 „Der Bär“, den hochvirtuosen „Variationen über ein Rokoko-Thema“ von Pjotr I. Tschaikowsky und der grandiosen „Italienischen Sinfonie“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Die Werkauswahl verlangt enorme Flexibilität im Klang, aber Chefdirigent Ruben Gazarian und seine Musiker sind mit ihrer ausgeprägt kammermusikalischen Klangkultur echte Experten darin, ihre Spielweise stilsicher der musikalischen Vielfalt anzupassen, die all ihre Programme auszeichnet. Das WKO tritt in aller Regel, wie auch in diesem Konzert in sinfonischer Minimalbesetzung an, ohne seinen Streicherapparat von etwa 20 Instrumenten zu vergrößern. Die kleine Bläserbesetzung (Flöte, je zwei Oboen, Fagotte, Trompeten) und die gefühlvoll gespielten Pauken, die bei Haydns Sinfonie Nr. 82 gefordert sind, passten sich mit müheloser Eleganz in den feinen, fast vibratolos und blitzsauber gespielten Streicherklang ein. Den Beinamen „Der Bär“ hat natürlich nicht Haydn selbst geprägt, sondern ein findiger Verleger später hinzugefügt. Er bezieht sich auf den Finalsatz, der in der Art einer Musette daherkommt, mit einem Dudelsack-ähnlichen Motiv in Celli und Bässen, das vielleicht an einen Bärentanz auf einem mittelalterlichen Marktplatz erinnert.

Ein vergleichsweise saftiger, romantischer Klang war dagegen gefragt in den folgenden „Rokoko-Variationen“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Als Solisten hatte das WKO den 1986 geborenen Cellisten Valentin Radutui mitgebracht, der mit seinem kraftvollen, warmen und sonoren Celloklang die Zuhörer vom ersten Ton an faszinierte. Das vermeintliche „Rokoko-Thema“, das dabei auf einfallsreiche Weise durch immer neue Stimmungen variiert wird, ist allerdings Tschaikowskys ureigene Erfindung - eine heitere, freundliche Reminiszenz an eine vergangene Zeit am Ende des Barockzeitalters. Wunderschön, wie das Solocello zuweilen zarte Bande knüpft im Duett mit Flöte oder Klarinette, während die Streicher mit sanften Pizzicati begleiten – und gleich darauf jagt es mit fulminanter Virtuosität über den gesamten Tonumfang des Cellos von mehr als vier Oktaven. Mit einem Riesenapplaus feierte das Publikum Valentin Radutui, der als Zugabe die „Sarabande“ aus Bachs 3. Cellosuite hören ließ.

Nach der Pause stand mit Mendelssohns Sinfonie Nr. 4 in A-Dur eines der schönsten und interessantesten sinfonischen Werke der Romantik auf dem Programm. Die „Italienische“ entstand auf einer zweijährigen Italienreise 1830-32 und ist mit ihrer Lebenslust und Heiterkeit, aber auch ihrer Melancholie ein eindrucksvolles Zeugnis von der unglaublichen Begabung des jungen Komponisten. Ruben Gazarian schlug hier flotte Tempi an, tanzte in gewohnter Manier förmlich am Dirigentenpult. Großartig, wie die kammermusikalische Transparenz des raffiniert komponierten Werkes von den Musikern umgesetzt wurde: Da knackten die Bögen alle gemeinsam im wirbelnden Spiccato des Finalsatzes „Saltarello“, den man wohl nur äußerst selten so rasant und so makellos gespielt zu hören bekommt. Eine Zugabe gab es diesmal leider nicht, dennoch konnte es nur ein Fazit geben: Grandios!

 

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